Projektbeschreibung

Warum soll es ein neues Schulfach geben?
Immer öfter müssen wir feststellen, dass Kinder und Jugendliche in vielen Situationen auf dem Weg ins Erwachsenenleben überfordert sind. Aus den verschiedensten Gründen findet Erziehung in den Familien kaum noch statt. Den Kindern fehlen dann wichtige Grundlagen später in den eigenen Familien Erziehung anzuwenden.
Es ist wichtig, dass die zukünftige Elterngeneration „ Erziehung“ lernt, um es dann in der eigenen späteren Familie anwenden zu können. Erziehung ist ein gesellschaftsrelevanter und sozialökonomischer Bereich, der alle Gesellschaftsmitglieder tangiert. Je mehr Erziehung/Bildung den Kindern zugute kommt, umso weniger hat später die Gesellschaft mit den Auswirkungen fehlender Erziehungsgrundlagen zu tun. Um alle Kinder gleichermaßen zu erreichen soll Erziehung wie jedes andere Schulfach unterrichtet werden.
Dabei sollen die vermittelten Inhalte des Fachs „Erziehung“ Kindern und Jugendlichen am Ende das Handwerkszeug bereitstellen, Ihr Leben selbstständig und verantwortungsbewusst zu gestalten, sich also durchaus in Richtung Lebensgestaaltung und Lebenskunde entwickeln.
Unter Erziehung kann man ganz allgemein die intendierte und zielgerichtete Einwirkung einer Person auf eine andere Person, auf deren Verhalten, Einstellungen usw. verstehen. Kämen Menschen „ fertig“ auf die Welt, hätte Erziehung keine Chance (anthropologischer Aspekt). Ähnlich wie in der Kommunikationstheorie das Axiom „ man kann nicht nicht kommunizieren gilt so auch bei Erziehung „ man kann nicht nicht erziehen“.
In Wilhelmshaven ist ein Pilotprojekt im November 2009 an der Nogat Schule ins Leben gerufen worden. Nach einer Vorbereitungsphase begann der Unterricht im Herbst 2010 als Wahlpflichtfach an jedem Dienstag 2 Stunden lang mit 12 Jungen und Mädchen unterschiedlicher sozialer Herkunft.
Mit einem Team aus Lehrern, Sozialpädagogen, Elternvertreter, Jugendamtsleiter und ehrenamtlichen Mitarbeitern wurden Themen erarbeitet. Diese Inhalte und die Ergebnisse aus dem Unterricht wurden nach jeder Stunde diskutiert und dokumentiert. Zusammengefasst in einer Stoffsammlung, dient diese nun für die weiteren Klassen und Schulen als Handbuch bzw. Curriculum und wird von Projekt zu Projekt weiterentwickelt und ständig ergänzt.
Das Projekt wird wissenschaftlich Prof. Dr. Wolfgang Fichten und Frau Prof. Dr. Astrid Kaiser von der Uni Oldenburg begleitet. Es sollen auch Diplomarbeiten an der Uni Oldenburg geschrieben werden.
Alle 2 Monate findet ein Treffen mit Lehrern, Sozialpädagogen, Elternvertreter, Jugendamtsleiter und Ehrenamtlichen statt, wo Ergebnisse vorgestellt und diskutiert, sowie der weitere Ablauf der nächsten Stunden/Abschnitte/Stundentafeln erarbeitet wird.